Griechenland: Missbrauchsskandal wird zum Politikum

Der Titel der Debatte, die an diesem Donnerstag im griechischen Parlament stattfinden soll, ist originell: Premierminister Kyriakos Mitsotakis bat darum, die Abgeordneten über die “Qualität der Demokratie und des öffentlichen Dialogs” zu informieren. Es scheint, als hätte Mitsotakis diese Verteidigungsstrategie gegen die Angriffe der Opposition gewählt, die den Rücktritt der Kulturministerin Lina Mendoni fordert – wegen mutmaßlicher Vertuschungsversuche in einem Vergewaltigungsskandal.

Es geht um die Affäre Dimitris Lignadis, des ehemaligen Intendanten des Nationaltheaters in Athen, der vor wenigen Tagen zurückgetreten war. Dem 56-jährigen prominenten Schauspieler und Regisseur wird von mindestens zwei Männern vorgeworfen, sie im Teenageralter vergewaltigt zu haben.

Griechenland Athen Parlament | Kyriakos Mitsotakis, Premierminister

Der griechische Premierminister Kyriakos Mitsotakis muss sich der Debatte im Parlament stellen

Die ersten Vorwürfe der sexuellen Nötigung wurden Anfang Februar publik – durch ein schockierendes Interview eines der mutmaßlichen Opfer im Portal “2020 mag.gr”, ohne dass Lignadis namentlich erwähnt wurde. Dann fing die Gerüchteküche an zu brodeln, dass der bekannte Regisseur von seinem Amt zurücktreten würde. Lignadis reagierte empört: “Ich weiß nicht, wie diese Gerüchte entstanden oder welchen Zweck sie erfüllen”, sagte er – und Kulturministerin Lina Mendoni betonte sofort in einem Interview, es gebe keine offizielle Beschwerde gegen ihn.

“Aus persönlichen Gründen”

Vier Tage später trat Lignadis tatsächlich zurück, “um den Ruf des Nationaltheaters nicht zu schädigen”, wie er schrieb. Und Lina Mendoni zeigte Verständnis dafür, da der Regisseur dem Stress der Vorwürfe nicht gewachsen gewesen sei. Als der Regierungssprecher dazu gefragt wurde, antwortete er, dass Lignadis “aus persönlichen Gründen” zurückgetreten sei.

Währenddessen erschienen ältere Horrorgeschichten über Lignadis – und zwar von bekannten Persönlichkeiten des Theaters, die angaben, dass er sich öfter an jungen Männern vergriffen haben soll. Darum sei auch sein Engagement als Lehrkraft gekündigt worden.  

“Ein sehr gefährlicher Mensch”

Am 19. Februar lud Mendoni dann zu einer Pressekonferenz ein, um zu erzählen, dass sie von “dem hervorragenden Schauspieler getäuscht wurde”, und dass er “ein sehr gefährlicher Mensch” sei. Sie betonte auch, dass sie Lignadis vor seiner Ernennung zum Intendanten des Nationaltheaters nicht gekannt hätte und dass er “weder ihr Freund” sei, noch ein “Freund des Premierministers”. Nach dieser Pressekonferenz wurden die Stimmen noch lauter, die den Rücktritt der Kulturministerin Lina Mendoni forderten – Kulturschaffende, alle Oppositionsparteien und sogar Abgeordnete der konservativen Regierungspartei Nea Dimokratia verlangen inzwischen ihren Amtsverzicht. Einerseits, weil sie die politische Verantwortung für den Eklat übernehmen sollte. Andererseits, weil eine Ministerin nicht von “einem sehr gefährlicheren Menschen” reden dürfe, bevor die Justiz ihn für schuldig befunden hat.

Intendant ohne Ausschreibung

Der Fall Lignadis wurde fast von Anfang an zum Politikum, weil der Regisseur 2019 aus Gründen des “öffentlichen Interesses” von Lina Mendoni zum Intendanten des wichtigsten griechischen Theaters ernannt wurde. Damals hatte die Kulturministerin auf die sonst übliche Ausschreibung verzichtet und ihn direkt befördert.

Griechenland Festnahme Dimitris Lignadis

Gegen den ehemaligen Intendanten des Nationaltheaters, Dimitris Lignadis (Mi.), wird wegen sexueller Nötigung ermittelt

Seit Sonntag, dem 21. Februar, sitzt Lignadis in Untersuchungshaft – zwei Wochen, nachdem ihm Vergewaltigung vorgeworfen wurde. Er hat alle Vorwürfe von sich gewiesen und den bekanntesten Anwalt Griechenlands engagiert, der sofort von “unglaubwürdigen Klägern” und “professionellen Homosexuellen” sprach. Staranwalt Alexis Kougias sieht hinter dem Fall nur einen Versuch, den Rücktritt der Kulturministerin zu erzwingen oder gar die Regierung zu stürzen. Die Opposition vertritt die Auffassung, dass die Regierung versucht habe, den Fall zu vertuschen. Erst als sich erste Augenzeugen wegen Vergewaltigungstaten zu Wort gemeldet hätten, die noch nicht verjährt seien, habe auch Lina Mendoni Farbe bekannt.

Die Schlammschlacht und die Opfer

Seit Tagen beobachtet man eine Schlammschlacht in den Massenmedien und vor allem in den sozialen Medien – und sie wird immer heftiger und absurder. Regierungstreue Medien und Trolls versuchen die Vorwürfe gegen Lignadis zu relativieren und sprechen von einer Verschwörung der Linken gegen die “sehr gute Ministerin” Mendoni, die “den Weg für wichtige Investitionen” frei gemacht hätte. Regierungsfeindliche Medien und Trolls werfen Premierminister Mitsotakis vor, dass er Homosexuelle in seinem Umfeld dulde und sogar schütze, soweit er könne. Und alle zusammen ignorieren den Mut der Opfer von sexueller Gewalt, den Mund aufzumachen und über ihr Leid zu sprechen, auch viele Jahre danach.

Diesen Mut hat als Erste Anfang des Jahres die Olympiasiegerin Sofia Bekatorou gezeigt.

#Meetoo-Debatte Griechenland | Sportlerin Sofia Bekatorou und Präsidentin Katerina Sakellaropoulou

Olympiasiegerin Sofia Bekatorou (li.) im Gespräch mit der griechischen Präsidentin Katerina Sakellaropoulou (18.01.2021)

Die erfolgreiche und beliebte Seglerin durchbrach die Mauer des Schweigens und berichtete, sie sei im Jahr 1998 von einem hohen Funktionär des Segelverbands vergewaltigt worden. Ihre späte Enthüllung hat auch in Griechenland eine # MeToo-Bewegung ausgelöst. Seitdem haben sich viele Frauen und  ein paar Männer gemeldet, um bekannte Persönlichkeiten der sexuellen Belästigung, Körperverletzung und Vergewaltigung zu beschuldigen. Unter Beschuss gerieten bekannte Professoren, Schauspieler und Regisseure. Lignadis ist aber der Erste, der festgenommen wurde.

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Corona: Serrana – die geimpfte Stadt in Brasilien

Wuhan natürlich - die Stadt, in der die Corona-Pandemie ausbrach. Bergamo und New York wahrscheinlich, vielleicht Guayaquíl und Manaus - die Städte, die am meisten unter dem Virus litten. Doch welche Stadt wird in ein paar Jahren genannt werden als diejenige, die entscheidend mithalf, COVID-19 zu besiegen?

Möglicherweise Serrana. Eine Kleinstadt, 300 Kilometer nördlich von der Metropole Sao Paulo, in der eine der größten Zuckerrohrmühlen Brasiliens zur Gewinnung von Zucker und Alkohol steht, deren Namen aber auch einige Brasilianer noch nie in ihrem Leben gehört haben. Doch das könnte sich bald ändern.

Denn was dort seit einer Woche passiert, kann die weltweite Corona-Forschung einen riesigen Schritt voranbringen. Serrana hat Mittwoch vor einer Woche damit begonnen, beinahe die ganze Stadt mit dem chinesischen Impfstoff Coronavac zu impfen.

Genauer zwei von drei Bewohnern, 30.000 Menschen über 18 Jahre sollen auf freiwilliger Basis an dem Jahrhundertprojekt teilnehmen. Wenn alles gut läuft, wird die Welt in drei Monaten wissen, ob das Virus nach der großflächigen Impfung einer kompletten Stadt überlebt hat.

Der Bürgermeister als Impulsgeber vom ”Projekt S”

Um ein solches Projekt in die Tat umzusetzen, braucht es zunächst einmal einen umtriebigen Bürgermeister. Wie Leonardo Capitelli, ein Kind der Stadt, den alle in Serrana nur Léo nennen. Der 38-Jährige ist gerade einmal ein paar Wochen in seinem Amt, Mitte November gewann er mit hauchdünnem Vorsprung von 600 Stimmen die Bürgermeisterwahlen.

Serranas Bürgermeister Léo Capitelli

“Diese Studie kann der gesamten Weltbevölkerung Hoffnung auf Heilung geben” – Léo Capitelli

Der zweifache Familienvater will den Menschen zeigen, dass sie mit ihrer Entscheidung goldrichtig lagen. Jeden Tag wirbt er unermüdlich in der Bevölkerung für das “Projekt S” – im persönlichen Gespräch, in den Medien und per Video auf allen sozialen Plattformen. “Projekt S”, weil es zunächst noch geheim war („segredo”) und jetzt den Namen der Stadt trägt - Serrana.

“Als Vertreter der Bevölkerung bin ich sehr glücklich und wahnsinnig stolz, Teil dieses historischen Projektes zu sein und gleichzeitig dafür sorgen zu können, alle Menschen in Serrana mit der Impfung zu schützen”, sagt Capitelli, “wir sind damit ein Pionier der Welt in einem Forschungsprojekt, mit dem wir der Wissenschaft dienen und die Lebenserwartung der gesamten Weltbevölkerung erhöhen können.”

Einteilung der Stadt in vier Zonen, Bevölkerung zieht mit

Capitelli hat die Karte von Serrana auf seinem Schreibtisch ausgebreitet und die Stadt zusammen mit den Forschern mit vier bunten Filzstiften in farbliche Zonen aufgeteilt. Der grüne Sektor wurde vom vergangenen Mittwoch bis zum Sonntag geimpft, jetzt startet der gelbe Sektor, dann der graue und am Ende der blaue Sektor. Ist der erste Zyklus vorbei, beginnen die Menschen der grünen Zone mit ihrer zweiten Impfung.

Zwei Monate dauert also die Massenimpfung und schon jetzt merkt der Bürgermeister, dass die Einwohner von Serrana leidenschaftlich mitziehen: “Die Menschen sind begeistert und haben große Erwartungen, nicht nur sich selbst immunisieren zu können, sondern gleichzeitig auch ihre Familien zu schützen.”

Brasilien I Jair Bolsonaro I Präsident

“Der Impfstoff von BioNTech-Pfizer kann Sie in ein Krokodil verwandeln” – Jair Bolsonaro

Warum aber ausgerechnet Serrana? Wieso eine Stadt ausgerechnet in Brasilien? In dem Land also, das von einem Präsidenten regiert wird, der die Bekämpfung des Coronavirus immer auf die leichte Schulter genommen hat und COVID-19 mit einer kleinen Grippe und einem Schnüpfchen verglich?

Warum die Wahl auf Serrana fiel

Ricardo Palacios kennt diese Frage, er hat sie schon dutzendfach beantwortet, seit sich Medien in der ganzen Welt auf das “Projekt S” stürzen. “Wir Wissenschaftler arbeiten mit der selben Intensität wie in jedem anderen Land der Welt auch, weil es unsere Verpflichtung ist”, sagt Palacios, “aber natürlich würden wir uns mehr Unterstützung durch die Regierung wünschen. Die wissenschaftliche Expertise sollte bei Corona die Regierungsführung leiten, aber leider ist dies in Brasilien nicht der Fall.”

Ricardo Palacios, Direktor der klinischen Forschung beim Institut Butantan in Sao Paulo

“Wir würden eine Regierung vorziehen, welche Forschung als Schlüssel der Pandemiebekämpfung sieht” – Ricardo Palacios

Palacios ist Direktor der klinischen Forschung beim Institut Butantan in Sao Paulo, eines der angesehensten Forschungsinstitute Brasiliens, das federführend bei der Studie ist. Als er gefragt wird, ob er gerne die Leitung vom “Projekt S” übernehmen will, muss der Wissenschaftler nicht lange überlegen. “Ein solches Projekt aufzusetzen und zu leiten ist eine einmalige Möglichkeit für einen Forscher.”

Dass die Wahl auf Serrana fiel, hatte einen einfachen Grund: die Stadt gehörte im vergangenen Jahr zu den Corona-Hotspots, fünf Prozent der Bevölkerung hatten sich nach einem Ausbruch in einem Pflegeheim mit dem Coronavirus infiziert.

Außerdem bot Serrana auch aus anderen Motiven ideale Forschungsbedingungen. “Die Stadt hat eine überschaubare Größe, die örtlichen Behörden haben uns vorbehaltlos unterstützt und die Antwort der Bevölkerung war positiv”, sagt Palacios.

Nach Serrana weiß man: Was ist mit der Herdenimmunität?

Ein weiterer riesiger Pluspunkt: ein kompetentes Forschungsteam vor Ort, zu dem auch Marco Borges gehört, der Direktor des staatlichen Krankenhauses von Serrana. Er ist zuversichtlich, dass schon in drei Monaten Resultate vorliegen werden, auf welche die ganze Welt mit großem Interesse schauen wird.

Marcos Borges, Direktor des staatlichen Krankenhauses von Serrana

“Serrana ist relativ klein, aber hochmobil, was die Verbreitung von Infektionskrankheiten begünstigt” – Marcos Borges

“Das Projekt dauert insgesamt ein Jahr, aber in zwölf oder 13 Wochen werden wir die Ergebnisse der Hauptziele haben. Wir werden dann also sagen können, wie sich der Impfstoff auf die Virusübertragung auswirken wird. Und wie er dazu beiträgt, die schweren COVID-19-Fälle und die Sterblichkeit zu reduzieren.”

Bis dahin gilt: impfen, impfen, impfen. Neben den Minderjährigen sollen nur Schwangere, stillende Mütter und Personen, die kurz vor dem Impfung Fieber haben, nicht mit dem Vakzin gespritzt werden. Borges kann es kaum bis Mai erwarten: “Alle Städte weltweit werden dann wissen, wie es um die Herdenimmunität nach einer Massenimpfung bestellt ist. Bis heute weiß das niemand.”

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Amnesty geht auf Distanz zu Alexej Nawalny

Der Kreml-Kritiker hatte sich zu Beginn seiner politischen Karriere vor etwa einem Jahrzehnt abfällig über Migranten aus Zentralasien geäußert und Kritik an den muslimischen Kaukasus-Republiken geübt. Damals soll er auch an rechtsextremen und nationalistischen Aufmärschen teilgenommen haben. Für einige der Aussagen, die er als junger Mann traf, hat sich der heute 44-Jährige später entschuldigt. Seine damaligen Worte begründete er mit der Absicht, er habe alle Strömungen der Opposition gegen Russlands Präsident Waldimir Putin ansprechen wollen.

Das Verhalten Nawalnys vor Jahren stehe “im Widerspruch zur Definition eines politischen Gefangenen”, wie sie von Amnesty International (AI) angewendet werde, teilte die Organisation nun mit. AI räumte aber ein, es lägen keine Hinweise darauf vor, dass Nawalny in den vergangenen Jahren nochmals Hass-Kommentare verbreitet habe. Hintergrund für die aktuelle Entscheidung seien Beschwerden über frühere diskriminierende Reden gewesen, sagte eine Amnesty-Sprecherin.

AI setzt sich weiter für Nawalnys Freilassung ein

Das Gerichtsverfahren, in dem Nawalny kürzlich zu mehreren Jahren Straflager verurteilt wurde, werde aber nach wie vor als rechtswidrig betrachtet. Insofern bleibe auch die Forderung nach der Freilassung des Kremlgegners bestehen. Nawalnys Verurteilung sei “willkürlich und politisch motiviert”, sagte Markus Beeko, Generalsekretär von Amnesty International in Deutschland. Amnesty teilte zudem mit, die Organisation habe der russischen Regierung in der vergangenen Woche Listen mit 200.000 Unterschriften vorgelegt, mit denen die sofortige Freilassung Nawalnys gefordert wurde.

Vom Kreml inszeniert?

Nawalnys Unterstützer vermuten hinter den bei Amnesty eingereichten Beschwerden gegen den prominenten Putin-Widersacher eine Strategie kremltreuer Propagandisten und reagierten mit Unverständnis auf die Entscheidung der Menschenrechtler. “Was für eine Schande”, hieß es auf dem Twitteraccount von Nawalnys Sprecherin Kira Jarmysch.

Ein Jurist von Nawalnys Antikorruptionsstiftung, der selbst vor wenigen Jahren von AI als “gewaltloser politischer Gefangener” gelistet wurde, erklärte, er werde diesen Status nie wieder annehmen, wenn man ihn “unter dem Druck von Putins Staatspropaganda” einfach wieder entzogen bekommen könne.

Dieser Status war Nawalny erst Mitte Januar von Amnesty zuerkannt worden, nachdem er nach seiner Rückkehr nach Russland direkt an einem Moskauer Flughafen festgenommen worden war. Die russische Justiz wirft Nawalny vor, in einem früheren Strafverfahren gegen Bewährungsauflagen verstoßen zu haben, während er sich in Deutschland von einem Giftanschlag erholte. Am Samstag bestätigte ein Gericht die Verurteilung Nawalnys zu mehreren Jahren Straflager. Das Verfahren steht im Westen als politisch motiviert in der Kritik.

qu/rb (dpa, afp, rtr)

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Wie gut ist der Corona-Impfstoff von AstraZeneca?

Wer hat den Corona-Impfstoff von AstraZeneca entwickelt? 

Der Impfstoff mit der Bezeichnung AZD1222 wurde von einem Team der Oxford University und dem britisch-schwedischen Arzneimittelkonzern AstraZeneca entwickelt. Zu dem Forschungsteam gehören Wissenschaftler des Jenner-Instituts und der Oxford Vaccine Group. 

Wie funktioniert der Impfstoff von AstraZeneca? 

Bei dem Impfstoff handelt es sich um einen sogenannten Vektorimpfstoff. Dieser basiert nach Angaben des deutschen Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) auf Erkältungsviren von Schimpansen, die für den Menschen harmlos sind. Die sogenannten Erkältungsviren aus der Familie der Adenoviren wurden so modifiziert, dass sie das Gen mit dem Bauplan für die Herstellung eines optimierten Oberflächenproteins des Coronavirus (SARS-CoV-2-Spikeproteins) enthalten.  

Data visualization - COVID-19 vaccine tracker - Types - Update Feb 10, 2021 - German

Der Impfstoff von AstraZeneca ist nur einer von zahlreichen verschiedenen Ansätzen weltweit

Nach der Impfung gelangt das Impfvirus in einige wenige menschliche Körperzellen. Die Zellen verwenden das Gen zur Herstellung des Spikeproteins. Das Immunsystem erkennt dieses dann als fremd an und bildet als Reaktion des Immunsystems Antikörper und T-Zellen, die im Idealfall vor einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 schützen. 

In wie vielen Ländern ist der Impfstoff von AstraZeneca zugelassen?

Der AstraZeneca-Impfstoff wurde inzwischen in mehr als 50 Ländern auf vier Kontinenten zugelassen, wie das Unternehmen mitteilt (Stand: 10. Februar). Das erste Land, das eine Zulassung erteilte, war Großbritannien am 30. Dezember vergangenen Jahres, inzwischen folgten weitere große Märkte wie die EU oder Indien.

Wie wirksam ist der AstraZeneca-Impfstoff gegen das Coronavirus?

Mit Blick auf das ursprüngliche Coronavirus hat der Impfstoff von AstraZeneca in klinischen Tests nach der ersten Dosis eine Wirksamkeit von 76 Prozent erreicht. Wenn eine zweite Dosis 12 Wochen oder mehr nach der ersten Dosis verabreicht wird, steigt die Wirksamkeit auf 82 Prozent. Eine andere Studie kommt auf eine Wirksamkeit von 84 Prozent. In einer weiteren Untersuchung wurde festgestellt, dass der Impfstoff die Dauer der Verbreitung und die Viruslast reduziert, was die Übertragung des Virus verlangsamen könnte. Aufgrund dieser Daten erhielt der Impfstoff in vielen Ländern eine Zulassung.

Eine Untersuchung der Universität von Edinburgh, die als eine der ersten die Wirksamkeit von Corona-Impfstoffen in der realen Anwendung untersuchte, zeigte hohe Werte bei AstraZeneca: Vier Wochen nach der ersten Impfung mit der AstraZeneca-Vakzine ging das Risiko der Geimpften, wegen COVID-19 ins Krankenhaus zu müssen, um 94 Prozent zurück. Bei Impfungen mit dem Präparat von Biontech/Pfizer sinkt das Risiko der Studie zufolge um 85 Prozent. Die Studienergebnisse liegen in einem Preprint vor und wurden noch nicht von anderen Wissenschaftlern geprüft.

Wie wirksam ist der AstraZeneca-Impfstoff gegen die britische Mutation B117?

Eine Studie des Impfstoffs von AstraZeneca gegen die B117-Variante, über die zuerst in Großbritannien berichtet wurde, ergab eine ähnliche Wirksamkeit wie gegen das ursprüngliche Virus. Die Studienergebnisse zeigen, dass der Impfstoff gegen die britische Variante zu 75 Prozent wirksam ist.

Wie wirksam ist der AstraZeneca-Impfstoff gegen die südafrikanische Mutation B1351?

Nach derzeitigem Kenntnisstand ist die Wirksamkeit bei der Mutation B1351 deutlich geringer, exakte Zahlen liegen aber noch nicht vor. Die südafrikanische Regierung beschloss, die Einführung des Impfstoffs von AstraZeneca zu stoppen. Der Grund: Eine kleine, noch nicht begutachtete Studie mit 2.000 Personen in Südafrika ergab, dass der Impfstoff nur einen “minimalen Schutz” gegen leichte und mittelschwere COVID-19-Infektionen durch die Coronavirus-Variante B1351 bietet. Die Variante gilt als gefährlicher, da sie sich schneller verbreitet. Sie verursacht die Mehrzahl der COVID-19-Infektionen in Südafrika. Durchaus als positiv zu bewerten ist, dass keiner der Teilnehmer an der südafrikanischen Studie starb, schwer krank wurde oder ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Die Wirksamkeit gegen schwere COVID-19-Infektionen durch die Variante B1351 wurde in der Studie allerdings auch nicht bewertet, da die Teilnehmer ein geringes Risiko hatten, so die Forscher der Universität Witwatersand in Johannesburg in ihrer Analyse. 

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt in einem Schreiben vom 10. Februar weiterhin den Einsatz des Impfstoffs von AstraZeneca, auch wenn in einem Land Mutationen vorhanden sind. 

Südafrika Johannesburg Astrazeneca Impfung

Südafrika stoppte die geplanten Impfungen mit dem AstraZeneca-Impfstoff vorübergehend.

AstraZeneca verteidigte den Impfstoff gegen Zweifel: ”[Die] neutralisierende Antikörperaktivität ist gleichwertig mit der anderer COVID-19-Impfstoffe, die eine Aktivität gegen schwerere Erkrankungen gezeigt haben, insbesondere wenn das Dosierungsintervall auf 8-12 Wochen optimiert wird”, heißt es zudem in einer Stellungnahme von AstraZeneca.

Experten bestätigten der DW, dass es zumindest einen gewissen Schutz vor der südafrikanischen Variante gebe: Der Impfstoff von AstraZeneca werde immer noch einen gewissen Schutz gegen die B1351-Variante bieten, weil die nach der Impfung gebildeten Antikörper Teile der Virusvariante erkennen und blockieren, sagte Sarah Pitt, wissenschaftliche Mitarbeiterin am britischen Institute of Biomedical Science, gegenüber DW. Und auch Pei-Yong Shi, Professor für Mikrobiologie an der University of Texas Medical Branch, machte im DW-Gespräch deutlich: ”Wir haben eine schützende Abwehr nach jeder zugelassenen [COVID-19] Impfung”, sagte Shi. Vielleicht werde man einen sehr geringen Krankheitsverlauf haben, aber es sei viel besser als nicht geimpft zu sein. Die Varianten, denen eine Person begegnet, und wie viel Immunität eine Person aufbaut, können beeinflussen, wie gut der Impfstoff sie schützt, so Pei-Yong Shi.

Warum ist der Impfstoff von AstraZeneca weniger wirksam gegen die südafrikanische Mutation?   

Die Variante B1351, auch bekannt als 501YV2, über die zuerst in Südafrika berichtet wurde, weist Mutationen im Spike-Protein auf. Das ist der Teil des Virus, der sich mit menschlichen Zellen verbindet und es ihm ermöglicht, sie zu infizieren. Manchmal ist eine Mutation schädlich für das Virus selbst, manchmal bewirkt sie gar nichts, und manchmal macht sie das Virus schädlicher für Menschen, zum Beispiel, indem sie es infektiöser macht. 

Die bisher zugelassenen COVID-19-Impfstoffe erzeugen Antikörper gegen das Spike-Protein des ursprünglichen Stammes des Coronavirus. Doch nun bekämpfen die Antikörper Viren, deren Spike-Proteine sie nicht vollständig erkennen.  

“Die Form des Virus hat sich leicht verändert, aber die Reaktion, die sie erzeugen, basiert auf dem Original”, erklärt Sarah Pitt vom britischen Institute of Biomedical Science. Das Virus kann sich also immer noch an eine menschliche Zelle anlagern. Dennoch bietet die Impfung einen gewissen Schutz, da die Antikörper Teile des Virus, die sie erkennen, weiterhin blockiert. Die Menge an Antikörpern, die benötigt werden, um das Coronavirus abzuwehren, sei bisher noch nicht bestimmt worden, sagte Pitt. 

Studien von BioNTech-Pfizer und Moderna sagen aus, dass diese Impfstoffe etwas weniger effektiv gegen die B1351-Variante des Virus sind.  

Was unternimmt AstraZeneca, um die Wirksamkeit für die südafrikanische Mutation zu verbessern?  

Die Leiterin der Oxfordforschungsgruppe Sarah Gilbert sagte zwar der BBC, dass der Impfstoff immer noch vor schweren Erkrankungen schützen sollte. Gleichzeitig sagte sie aber, dass die Entwickler an einem modifizierten Impfstoff arbeiteten, um die südafrikanische Variante zu bekämpfen. Dies dauere wahrscheinlich bis zum Herbst. 

Warum zweifeln Menschen am Impfstoff von AstraZeneca?

Die Zweifel speisen sich aus mehreren Quellen: zum einen aus kritischen Medienberichten über die Wirksamkeit, zum anderen durch die nach ersten Erkenntnissen eingeschränkte Wirksamkeit gegen die südafrikanische Mutante sowie durch den geringeren Wirksamkeitswert in klinischen Studien und in Deutschland auch aufgrund der Empfehlung, den Impfstoff nur Menschen bis 65 Jahren zu verabreichen. In der Folge bleibt der AstraZeneca-Impfstoff in manchen Regionen in den Kühlregalen liegen, weil sich Menschen nicht mit diesem Mittel impfen lassen wollen.

Gut sichtbar werden diese Zweifel am Beispiel der Berliner Polizei. Wie die “Berliner Zeitung” berichtet, tauschten sich Polizisten kritisch in internen Chats über ihre Bedenken zum Impfstoff aus, den sie nach Plänen von Berlins Innensenator Andreas Geisel und der Berliner Polizeipräsidentin Barbara Slowik nun vorgezogen erhalten sollen. AstraZeneca sei ein “zweitklassiger Impfstoff”, sagte Jörn Badendick, Sprecher der Polizeigewerkschaft “Unabhängige in der Polizei e.V.” und verwies auf die geringere Wirksamkeit des Impfstoffes gegenüber dem von BioNtech/Pfizer. ”An der Gesundheit der Kolleginnen und Kollegen darf nicht gespart werden.” Zudem gebe es keine Langzeitstudien zu der Vakzine – was allerdings auch auf andere zugelassenen Impfstoffe zutrifft.

Sollte ich mich mit dem Impfstoff von AstraZeneca impfen lassen? 

Der Impfstoff von AstraZeneca bietet auch gegen Virusvarianten einen gewissen Schutz. Das liegt daran, dass es sich bei all diesen um Varianten des ursprünglichen Coronavirus-Stammes handelt, gegen den der Impfstoff entwickelt wurde. Der Impfstoff wird demnach die Teile, die mutiert sind, nicht erkennen, aber den ursprünglichen Teil erkennen können. 

Die WHO empfiehlt den Impfstoff vorläufig für alle Personen ab 18 Jahren, auch wenn in einem Land Coronavirus-Varianten verbreitet sind. Weiter empfiehlt sie den Impfstoff gerade für Menschen mit Vorerkrankungen, die das Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs erhöhen, darunter Adipositas, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Atemwegserkrankungen und Diabetes. Für Menschen, die mit HIV und Autoimmunerkrankungen leben oder immungeschwächt sind, seien weitere Studien erforderlich. Wenn jemand aber zu einer Gruppe gehöre, denen die Impfung allgemein empfohlen werde, könnte die Person nach einer Beratung ebenfalls mit dem Impfstoff geimpft werden.  

Bisher gibt es nur wenige Daten darüber, ob der Impfstoff während der Schwangerschaft sicher ist. Wenn der Nutzen der Impfung einer Schwangeren allerdings die möglichen Risiken überwiegt, sei eine Impfung möglich. Menschen mit einer Vorgeschichte von schweren allergischen Reaktionen auf eine Komponente des Impfstoffs sollten diesen nicht einnehmen. Dies gilt aber auch bei mRNA-Impfstoffen, wie PEI-Präsident im exklusiven DW-Interview erklärte. 

Ist die Impfung für alle Altersgruppen geeignet? 

Da gehen die Experteneinschätzungen auseinander. Die WHO empfiehlt den Impfstoff für alle Menschen ab 18 Jahren, also auch Personen, die 65 Jahre alt und älter sind.  Auch die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) sagt, der Impfstoff könne für alle Personen ab 18 Jahren verwendet werden. Es gebe bisher zwar noch nicht genügend Ergebnisse bei älteren Menschen, um zu zeigen, wie der Impfstoff bei ihnen wirke, aber ein Schutz werde erwartet, “da eine Immunantwort in dieser Altersgruppe gesehen wird”. Dies basiere auch auf Erfahrungen mit anderen Impfstoffen. 

Konkreter sind die Erkenntnisse einer neuen Studie aus Schottland: Schon nach der ersten Dosis des AstraZeneca-Impfstoffes geht das das Risiko, wegen Covid-19 ins Krankenhaus zu müssen, deutlich zurück. Bei den über 80-Jährigen war es in der vierten Woche nach der Erstimpfung ein Rückgang um durchschnittlich 81 Prozent. Demnach würde der Impfstoff also signifikant helfen, schwere Verläufe auch bei älteren Menschen zu verhindern. 

 

Die deutsche Impfstoffkommission STIKO ist davon noch nicht überzeugt. Sie empfiehlt den Impfstoff von AstraZeneca im Gegensatz nur für Menschen bis zu einem Alter von 64 Jahren. Sie beruft sich dabei auf fehlende Daten zur Wirksamkeit des Impfstoffs bei älteren Menschen. Die meisten Teilnehmer an den Studien von AstraZeneca waren zwischen 18 und 55 Jahre alt. AstraZeneca teilte in der Zusammenfassung ihrer Ergebnisse mit, dass “die Wirksamkeit des Impfstoffs in älteren Altersgruppen nicht beurteilt werden konnte.” Studien dazu würden noch folgen.  

Was sagen die Experten zum AstraZeneca-Impfstoff?

Die Meinung der Fachleute gehen auseinander. Der angesehene deutsche Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité nahm das Präparat gegenüber der jüngsten Kritik in Schutz: Der Impfstoff sei besser als sein Ruf, “das kann ich ohne Zögern sagen”, so Drosten im Podcast des NDR. “Die Daten, die für die Vakzine von Biontech/Pfizer und AstraZeneca vorliegen, sind sehr ermutigend. Man kann vermuten, dass die Übertragbarkeit durch die Impfung insgesamt verhindert wird.” Zudem gebe es noch nicht genügend Daten, um eine Aussage zu treffen, ob das AstraZeneca-Präparat tatsächlich nur eine geringe Wirkung gegen die südafrikanische Mutation habe, sagte Drosten. Er sieht das Problem des in manchen Regionen gesunkenen Vertrauens in den AstraZeneca-Impfstoff eher in der Kommunikation: Die Universität Oxford, die den Impfstoff gemeinsam mit dem britisch-schwedischen Konzern mitentwickelt hat, habe zu früh Daten veröffentlicht, die zu Missverständnissen geführt hätten.

Der Vorsitzende des Weltärztebundes hält dagegen: Frank Ulrich Montgomery sagte, dass sich die Probleme mit AstraZeneca sich nicht “wegdiskutieren” ließen. In der “Rheinischen Post” sprach er sich wegen der geringeren Wirksamkeit gegen eine Astrazeneca-Impfung bei medizinischem Personal aus. Zweifel äußerte auch der Infektiologe Bernd Salzberger vom Universitätsklinikum Regensburg gegenüber dem ZDF mit Blick auf die Wirkung des Impfstoffs bei Senioren: “Da in den Studien aus Großbritannien und Brasilien nur wenige Patienten – etwa zwölf Prozent – über 55 Jahren eingeschlossen worden sind, ist die Wirksamkeit bei Älteren bisher nicht gut beurteilbar.” In diese Kerbe hieb auch John Skerrit von der australischen Regulierungsbehörde für Medikamente: Sehr betagten Personen sollte der Impfstoff besser nicht verabreicht werden, so Skerrit. In einem Report der Behörde wurden “bedeutende Zweifel” an den Daten der klinischen Tests von AstraZeneca geäußert.

Warum ist der AstraZeneca-Impfstoff so gefragt in vielen Staaten? 

Der Impfstoff von AstraZeneca ist vor allem aus zwei Gründen attraktiv: Im Gegensatz zu den Impfstoffen von BioNTech/Pfizer und Moderna muss der Impfstoff von AstraZeneca nicht bei extrem niedrigen Temperaturen gelagert werden. Der Impfstoff kann bei normalen Kühltemperaturen (2-8 Grad Celsius/ 36-46 Grad Fahrenheit) mindestens sechs Monate lang gelagert und damit auch einfacher transportiert werden. Das macht es einfacher, dass auch Hausärzte in ihren Praxen das Vakzin impfen könnten. 

Zum Vergleich: Der Impfstoff von BioNTech-Pfizer kann in einem Kühlschrank mit Temperaturen von zwei bis acht Grad maximal 120 Stunden gelagert werden, und muss sonst in Ultra-Tieftemperatur-Gefrierschränken (mindestens bei Minus 70 Grad) deponiert werden. 

Zudem gilt der Impfstoff von AstraZeneca als günstiger. Der genaue Preis ist unklar, in einem mittlerweile gelöschten Tweet der belgischen Staatssekretärin Eva De Bleeker wurden angebliche europäische Preise für eine Dosis veröffentlicht: 15 Euro für Moderna, 12 Euro für Pfizer/BioNTech und 1,78 Euro für AstraZeneca. Nach Angaben von AstraZeneca mache die einfache Lieferkette und ein Versprechen, keinen Gewinn zu machen, den Preis der Impfung günstiger. AstraZeneca und BioNTech/Pfizer trafen beide Vereinbarungen mit COVAX, einer globalen Initiative, die darauf abzielt, kostengünstige Impfstoffe an Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen zu verteilen. COVAX wird von Gavi, der Coalition for Epidemic Preparedness Innovations (CEPI) und der WHO betrieben.  

Warum stritten sich die EU und AstraZeneca? 

AstraZeneca hatte Ende Januar angekündigt, zunächst nur 31 Millionen Dosen und nicht die erwarteten 80 Millionen Impfdosen im ersten Quartal für die 27 EU-Staaten zu liefern. Geschäftsführer Pascal Soriot hatte die Verzögerungen damit erklärt, dass in Werken in Belgien und den Niederlanden der Ertrag in den ”Braubehältern” nicht so groß sei wie ursprünglich angenommen. Das werde jetzt nachjustiert, brauche aber eben Zeit. Den Vorwurf von EU-Vertretern, AstraZeneca beliefere das Vereinigte Königreich bevorzugt und ohne Unterbrechungen, wies das Unternehmen zurück.

Lesen Sie mehr: Hat AstraZeneca die EU getäuscht?  

Am 31. Januar schrieb EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen auf Twitter, dass AstraZeneca im ersten Quartal doch neun Millionen zusätzliche Dosen, also insgesamt 40 Millionen ausliefern werde. Zudem würden die Lieferungen eine Woche früher als geplant beginnen. Dennoch ist das nur die Hälfte der ursprünglich geplanten Lieferung von 80 Millionen Impfdosen. 

Am 24. Februar meldeten Medien mit Verweis auf einen Insider, dass AstraZeneca erneut vorLieferproblemen stehe: Demnach erhalte die EU im zweiten Quartal möglicherweise nur 90 statt der zugesagten 180 Millionen Dosen.

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Dem deutschen Wald geht schlechter als je zuvor

Dem Wald sei es 2020 so schlecht ergangen, wie noch nie seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1984, heißt es im aktuellen Bericht zum Zustand der Wälder in Deutschland, den Bundesagrarministerin Julia Klöckner in Berlin vorgestellt hat. Demnach haben Sturmschäden, Dürre, Brände und Schädlinge – allen voran der Borkenkäfer – dem Wald schwer zugesetzt. Der Klimawandel habe einen großen Schaden angerichtet.

In den Jahren 2019 und 2020 sei die “Sterberate” der Bäume im Vergleich zu den Vorjahren “deutlich höher geworden”. Vor allem ältere Bäume über 60 Jahre seien vom Absterben bedroht, heißt es in dem Bericht. Derzeit betrage die Fläche, die potenziell wieder aufgeforstet werden müsste, 277.000 Hektar. “Jeden Baum, den wir heute nicht nachziehen, der fehlt der kommenden Generation”, erklärte Klöckner.

BdTD Deutschland Waldsterben

Im Harz bei Königskrug hat der Borkenkäfer in den Fichtenbeständen ganze Arbeit geleistet

Die aktuelle Schadholzmenge beläuft sich demnach auf 171 Millionen Kubikmeter. Dem Bericht zufolge nimmt auch die sogenannte Verlichtung der Baumkronen immer weiter zu – also der vorzeitige Verlust von Nadeln und Blättern. Demnach wiesen im vergangenen Jahr vier von fünf Bäumen lichte Kronen auf. Das betraf 89 Prozent der Buchen, 80 Prozent der Eichen und Kiefern sowie 79 Prozent der Fichten. “Der Kronenzustand ist wie ein Fieberthermometer – er zeigt an, wie es den Bäumen geht”, sagte Klöckner. Die Waldzustandserhebung zeige, unsere Wälder sind krank, bilanzierte die Ministerin.

Sie verwies zugleich darauf, dass insgesamt 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt würden, um Waldbesitzer und Forstwirte zu unterstützen und die Wälder umzubauen, damit sie besser an den Klimawandel angepasst würden.

Waldsterben

Kaum Absatzchancen in Europa für das gefällte Schadholz. Ein Großteil davon wird billig nach China verkauft und dort verarbeitet

Umweltverbände schlagen angesichts der Befunde Alarm. Greenpeace beklagte, dass sich an der Waldbewirtschaftung nichts geändert habe und immer noch zu viele Flächen “kahlgeschlagen” würden. Der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) forderte die Bundesregierung auf, “endlich wirksame Klimaschutzmaßnahmen” zu ergreifen, um dem Waldsterben Einhalt zu gebieten.

qu/rb (dpa, afp, epd)

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Riesiger Kokainfund im Hamburger Hafen

Bereits am 12. Februar seien in fünf Containern aus Paraguay mehr als 16 Tonnen der Droge entdeckt worden, teilte das Zollfahndungsamt mit. Nach dem Hamburger Fund seien im Zuge der deutschen Ermittlungen am 21. Februar in Belgien noch weitere sieben Tonnen Kokain beschlagnahmt worden.

Die Zollfahnder bezifferten den Gesamtwert des Rauschgifts im Straßenverkauf auf mehrere Milliarden Euro. Als Verantwortlicher für die Einfuhr der insgesamt 23 Tonnen Kokain gilt ein 28-Jähriger Mann aus Vlaardingen in den Niederlanden. Dieser sei in seinem Heimatland festgenommen worden. Es handele sich um die größte jemals in Europa sichergestellte Kokainmenge. Weltweit gehöre diese Menge auch zu den größten Einzelsicherstellungen.

Rauschgift in Blechdosen versteckt

Nach Angaben der Zollbehörden wurden die Container aufgrund einer Risikoanalyse mehrerer europäischer Zollbehörden als verdächtig eingestuft. In einer Containerprüfanlage im Hamburger Hafen seien in Containern, die Spachtelmasse in Blechdosen enthielten, deutliche Unregelmäßigkeiten festgestellt worden. Bei genauerer Nachprüfung seien dann über 1700 Dosen mit mehr als neun Kilogramm Gewicht voller Kokain gefunden worden.

Hamburger Zoll stellt mehr als 16 Tonnen Kokain sicher

In diesen Blechdosen lagerte das beschlagnahmte Rauschgift

“Mit diesem Schlag gegen die organisierte Rauschgiftkriminalität – auch dank der vorbildlichen Zusammenarbeit mit den europäischen Partnerbehörden – hat der deutsche Zoll seine Schlagkraft erneut eindrucksvoll bewiesen”, betonte der für den Zoll zuständige Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, Rolf Bösinger. Die weiteren Ermittlungen würden im Auftrag der Staatsanwaltschaft Hamburg und in enger Abstimmung mit den niederländischen Kollegen durch das Zollfahndungsamt Hamburg geführt.

kle/rb (afp, dpa)

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