Kommentar: Trump gegen Huawei – Das Ende des Smartphones?

Jeden Tag stellt sich die Frage: Was kommt als Nächstes? Seit sich die Hoffnung, Amerikaner und Chinesen könnten sich auf ein Handelsabkommen einigen, bis auf Weiteres zerschlagen hat, geht der bange Blick auf die Twitter-Timeline des US-Präsidenten. Wen knöpft er sich heute vor in diesem “Tech-Cold-War”?

Im Moment ist es Huawei, ebenso erfolgreicher wie umstrittener Anbieter von Mobilfunk-Netzwerktechnik und Smartphones. Mittels eines Kniffs von Donald Trump, nämlich den nationalen Telekommunikations-Notstand auszurufen, ist die chinesische Firma plötzlich ernsthaft in Bedrängnis geraten. In den USA und anderen Ländern beim Ausbau des Mobilfunknetzes auf die allerneueste 5G-Technik ausgeschlossen worden zu sein, schien noch verkraftbar. Jetzt aber, mit Ausfuhrverboten für US-Firmen, die Huawei mit Bauteilen beliefern, und ohne Zugriff auf das Android-Betriebssystem samt wichtiger Google-Apps, könnte es eng werden.

Peking gegen Apple?

Wird sich Peking das gefallen lassen?Natürlich nicht. Wie werden sie antworten? Es liegt nahe, sich Apple als Ziel auszusuchen. Zunächst könnte es ein Verkaufsverbot in China geben. Klingt noch milde, könnte Apple aber schon mal hart treffen. Im Januar war das zu besichtigen. Da musste der Konzern allein wegen sinkender Verkaufszahlen in China eine Umsatzwarnung herausgeben – erstmals seit zehn Jahren. Sollte das China-Geschäft gänzlich ausfallen, könnte der Überschuss von Apple um satte 30 Prozent einbrechen, haben Analysten von Goldman Sachs errechnet.

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Henrik Böhme, DW-Wirtschaftsredaktion

Eskalationsstufe Nummer 2: ein Herstellungsverbot für iPhone und Co. in China. Die allermeisten Geräte des Premium-Herstellers werden im Reich der Mitte, zum Beispiel bei Firmen wie Foxconn, zusammengeschraubt. Darunter würden freilich auch diese Auftragsfertiger leiden, aber vor allem für Apple wäre das ein K.o.-Schlag. Selbst wenn man anderswohin ausweichen könnte, nach Indonesien oder Vietnam: Das dauert! Und die Hoffnung von Donald Trump - ”dann machen wir das eben zu Hause” - würde den Preis eines iPhones drastisch verteuern. Ganz abgesehen von einem dramatischen Mangel an spezialisierten Arbeitskräften in den USA, die in China in Millionenstärke vorhanden sind. Schon durch die Verhängung von Strafzöllen auf aus China importierte Güter könnte Apple gezwungen sein, die Preise für die ohnehin teuren Geräte weiter zu erhöhen – um bis zu 14 Prozent, hat J.P. Morgan ausgerechnet.

Leiden würden alle

Das Problem dieses Streits, wie immer er ausgeht, ist nur: Das wird sich nicht auf Huawei oder Apple beschränken lassen. Denn gerade die Herstellung von Smartphones ist ein Musterbeispiel dafür, wie Globalisierung funktioniert. In so einem Huawei-Gerät stecken unendlich viele Teile aus den USA. Also würde den Zulieferern dort ein wichtiger Kunde fehlen. Leiden würde aber auch der japanische Sony-Konzern: Die statten nahezu alle Smartphones der Welt mit ihren Kamera-Chips aus. Kein iPhone kommt ohne Displays von Samsung aus. Und dann ist da noch der britische Chip-Spezialist ARM: Dessen Produkte sind sozusagen das Fundament aller Speicherchips, die in Smartphones verbaut werden. Was immer sich Huawei einfallen ließe, die Lieferblockaden der US-Chiphersteller zu umgehen: Ohne die ARM-Architektur geht nichts. Und die Briten haben Richtung Huawei den Hahn ebenfalls zugedreht. Will sagen: Hier könnte eine ganze Branche ins Rutschen kommen.   

Die Situation erinnert an die “Schwarzen Listen” des Westens in Zeiten des Kalten Krieges. Demnach war es verboten, Ostblock-Ländern wie der DDR bestimmte elektronische Bauteile für deren damals entstehende Halbleiter-Industrie zu liefern. Für die DDR bedeutete das, ihre Devisenreserven zu großen Teilen dafür auszugeben, irgendetwas Eigenes zu entwickeln. Auch das trug zum Untergang der sozialistischen Planwirtschaft bei. Nun wird China gewiss nicht wegen der Huawei-Blockade untergehen. Und damit wir uns nicht falsch verstehen: Die Chinesen sind nicht die Guten in diesem Spiel. Es ist sicher auch für Europa gut, dass Donald Trump sich mit dem Reich der Mitte anlegt. Es wäre nur irgendwie blöd, wenn wir am Ende wieder via Festnetz-Wählscheiben-Telefon kommunizieren müssten oder mit Rauchzeichen, weil es leider keine Smartphones mehr gibt.   

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Litauen und Kaliningrad – so nah, so fremd

“Wir haben Verwandte da drüben, in Litauen, treffen uns aber selten. Warum sollten wir das überhaupt?” fragt eine Frau von Mitte 40, die in Kaliningrad (Königsberg) geboren und aufgewachsen ist. “Wir haben doch ganz unterschiedliche Mentalitäten.” 

Wenn man sich mit Menschen aus Sowjetsk in Kaliningrad, einer Exklave der Russischen Föderation, unterhält, merkt man schnell: Viele Vorurteile aus der Zeit des Kommunismus sind immer noch da.

“Die Litauer mögen uns doch nicht. Wegen des Krieges, wegen der Sowjetunion. Wir sind für sie die Besatzer”, klagt ein älterer Mann aus Sowjetsk. “Als Russe fühlt man sich dort nicht wohl.”          

Litauen als Transitland 

Ein russischer Geschäftsmann, der oft über Litauen nach Russland fährt, lobt zwar die guten Autobahnen und das kulinarische Angebot der litauischen Kneipen. Gerade das Essen sei besonders wichtig, weil man in Russland wegen der EU-Sanktionen nicht immer gute europäische Lebensmittel bekomme. 

Außerdem kann man vom Flughafen im litauischen Kaunas nach Norwegen, Großbritannien oder Israel fliegen. “Gut, dass es die Grenze hier gibt. Zwei Schritte – und du bist schon in Europa”, freut sich der 40-Jährige. Doch für ihn sei Litauen einfach ein ”Transitland”, mehr nicht. 

Litauen beginnt nur ein paar Hundert Meter weiter, am anderen Ufer der Memel. Mit dem Auto oder zu Fuß geht es über die 100 Jahre alte Königin-Luise-Brücke. Es gibt wenig Verkehr, an diesem Grenzübergang zwischen Litauen und Russland warten meistens nur ein paar Autos. Für einen Fußgänger dauert die Kontrolle gerade mal ein paar Minuten. Doch für beide Seiten braucht man ein Visum – das ist ein Hindernis. 

Infografik Karte Kaliningrad DE

Teure Visa und Angst vor russischen Panzern 

“Ich würde gerne wieder auf die russische Seite fahren, aber das Visum kostet fast 100 Euro, das kann ich mir nicht leisten”, sagt eine litauische Händlerin auf dem Markt von Taurage (Deutsch: Tauroggen), einer Kreisstadt, die 30 Kilometer von der Grenze entfernt ist. Dort verkauft sie rezeptfreie Medikamente und Naturheilmittel aus Königsberg zu günstigen Preisen. Sie findet es schade, dass nach dem Zerfall der Sowjetunion die Grenze nur für kurze Zeit geöffnet war, unter dem russischen Präsidenten Boris Jelzin. Schon ein kleiner Grenzverkehr, also Visa-Erleichterungen für die Einwohner der Grenzregion, wären aus ihrer Sicht nicht schlecht.          

“Ich hasse die Russen. Nein, sorry, ‘hassen’ ist vielleicht ein zu starkes Wort… “, sagt Gintautas Petrauskas, ein Hotelbesitzer aus der litauischen Grenzstadt Pagegiai (Deutsch: Pogegen). “Ich meine nicht die Russen als Menschen, sondern den russischen Imperialismus, diese Mentalität. Russische Panzer oder Soldaten – das möchten wir hier nicht wieder haben. Gut, dass wir in der NATO sind. Russland traut sich nicht, ein NATO-Land anzugreifen.” Manchmal müsse er sich auf die Zunge beißen, um vor seinen russischen Kunden nichts Kritisches über die Politik Moskaus zu sagen.       

Neuentdeckung der Geschichte      

So geht es auch Ilona Meiere vom Tourismuszentrum in Pogegen. “Im Fernsehen hört man manchmal feindliche Töne Moskaus gegen andere Länder. Wenn ich vor einer Gruppe von Touristen stehe, gibt es ein Dilemma: Soll ich mich patriotisch verhalten und dazu etwas Kritisches sagen? Oder lieber schweigen?”  

Ilona Meiere: Früher war der Geschichtsunterricht verlogen

Ilona Meiere: Früher war der Geschichtsunterricht verlogen

Ilonas Hobby ist die Geschichte, sie freut sich immer, wenn sie “weiße Flecken” entdeckt, über die in der Sowjetzeit nicht gesprochen wurde. “In der Schule gab es früher nur eine verlogene Geschichte. Zum Beispiel sprach man nicht viel darüber, dass diese Region zu Ostpreußen gehörte und dass die hiesigen Deutschen fliehen mussten.” Zusammen mit mehreren Aktivisten setzte sich Ilona dafür ein, dass das Gymnasium aus ihrer Stadt nach dem dort geborenen deutschen Schriftsteller Johannes Bobrowski benannt wird.   

Etwa 30 Kilometer weiter, in Richtung Tauroggen, erinnert ein Denkmal an einen Waffenstillstand von 1812 zwischen Russland und Preußen. Alles, was mit Preußen zu tun hatte, passte aber nicht zur sowjetischen Propaganda, deshalb wurde das frühere Denkmal 1945 abgerissen. Dank mehrerer Geschäftsleute aus Tauroggen wurde es wiederaufgebaut. Wer die wahre Geschichte seiner Region kennt, kann sich viel besser mit seinem Wohnsitz identifizieren, heißt ihr Motto.     

Litauens großes Problem: die Auswanderung

Seine Landsleute an die Region zu binden, ist für den Unternehmer Sigitas Miciulis eine Herzensangelegenheit. Vier Jahre lang war er der Bürgermeister von Tauroggen, heute leitet er eine Firma im Energiebereich. Zusammen mit seinem Nachfolger Dovydas Kaminskas versucht er im Rahmen des Projekts “Globale Taurage”, Auswanderer zurück in die Heimat zu locken.   

Bürgermeister Dovydas Kaminskas hofft, dass viele Litauer wieder in ihre Heimat zurückkehren

Bürgermeister Dovydas Kaminskas hofft, dass viele Litauer wieder in ihre Heimat zurückkehren

“Während der Wirtschaftskrise von 2008 haben viele Menschen ihre Jobs verloren und sind ausgewandert. Das war auch verständlich, weil sie für ihre Familien das Beste tun wollten. Doch jetzt kommt unsere Wirtschaft wieder in Gang und sie müssten zurückkehren”, sagt Dovydas Kaminskas.  

Tauroggen hat den Rückkehrern immer mehr zu bieten. Mithilfe von EU-Geldern wächst der “Taurage Industry Park”, wo viele westliche Firmen lokale Filialen haben. Dort werden Löhne von rund 1.300 Euro pro Monat gezahlt, die über dem litauischen Durchschnitt liegen. 20 Kilometer weiter westlich ist einer der größten Windparks des Baltikums entstanden.  

Dass Litauen seine wirtschaftliche Entwicklung der EU verdankt, versuchten die litauischen EP-Kandidaten vor der Europawahl immer wieder zu vermitteln. Doch im litauisch-russischen Grenzgebiet war dieser Wahlkampf kein großes Thema. In der litauischen Provinz erinnerten auch keine Veranstaltungen an den EU-Beitritt des Landes am 1. Mai 2004. Die EU ist zum Alltag geworden. 

Aus der Sicht des Unternehmers Sigitas Miciulis ist der Beitritt zur Europäischen Union “das Beste, was Litauen in seiner neueren Geschichte passiert ist”. Er betont gerne die westliche Orientierung seiner Landsleute und ist selbst ein großer Befürworter der EU. Doch es gibt eine Schattenseite – die Auswanderung: ”In Litauen sind nur noch knapp 3 Millionen Einwohner geblieben.” (Anm. d. Red.: nach Angaben der Weltbank hatte Litauen 2004, im Jahr seines EU-Beitritts, noch 3,4 Millionen Einwohner.) Das Projekt Globale Taurage ist dazu da, den Kontakt mit den Auswanderern und ihren Familien aufrechtzuerhalten. “Wenn unsere Emigranten nicht zurückkommen, dann vielleicht ihr Nachwuchs”, hofft Miciulis.

Litauen Kaliningrad Sigitas Miciulis (DW/M. Sieradzka)

Der litauische Unternehmer Sigitas Miciulis hält nicht viel von der Politik Moskaus

Während des Gesprächs über die Emigration seiner Landsleute macht der litauische Unternehmer keinen Hehl daraus, was er von der russischen Führung hält: “Der Kreml würde gerne sehen, dass Litauen zugrunde geht, aber das werden wir nicht tun”, sagt er. Zwar zwinkert er dabei, doch seine Stimme klingt ernst.

Ähnliche Ziele, wenig Kontakt    

Auf der anderen Seite der Memel hat der russische Aktivist Rif Mukhitov ähnliche Wünsche wie der litauische Unternehmer Sigitas Miciulis. Auch er möchte, dass sich die Einwohner seiner Stadt in ihrer Heimat wohlfühlen. ”Bei uns gibt es genug reiche Leute, trotzdem verfällt die Stadt. Ich bin hier geboren, es tut mir weh, wenn ich das sehe. Die Menschen, die an die Macht kommen, vergessen ihre Wurzeln”, sagt er im Gespräch mit der DW.        

Der 60-Jährige engagiert sich in einer Bürgerinitiative, die sich für die Renovierung des alten Ufers und der Speicher einsetzt. Viele der alten Fachwerkhäuser werden nicht mehr bewohnt, die Fenster haben keine Scheiben oder sind mit Holzbrettern verschlagen. Die Bürgerinitiative fordert, dass die Stadt Renovierungsprojekte umsetzt. Gleichzeitig möchte sie den Beamten genauer auf die Finger schauen. 

Rif Mukhitov: Die Menschen wissen nicht mehr, was Heimat bedeutet

Rif Mukhitov: “Die Menschen wissen nicht mehr, was Heimat bedeutet”

“Geld ist nicht das Problem, Geld gibt es. Aber die Menschen, die in der Sowjetunion aufgewachsen sind, wissen nicht mehr, was Heimat bedeutet”, ärgert sich Rif Mukhitov. 

Er hätte bestimmt viele gemeinsame Gesprächsthemen mit den Litauern auf der anderen Seite der Memel. Doch solange teure Visa nötig sind, ist es nicht so einfach, über die Brücke zu gehen und den Nachbarn, mit dem man früher in der Sowjetunion wie in einer Zwangsehe lebte, neu kennenzulernen. 

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Super-Wahlsonntag in Litauen

Im baltischen EU- und NATO-Land Litauen stehen an diesem Sonntag zwei Ökonomen in der Stichwahl um das Präsidentenamt. Beim ersten Wahlgang vor zwei Wochen hatten sich die ehemalige Finanzministerin Ingrida Simonyte und der Wirtschaftsexperte Gitanas Nauseda ein enges Rennen geliefert – mit hauchdünnem Vorsprung für Simonyte. Sie erhielt 31,1 Prozent der Stimmen, Nauseda nur 2647 Stimmen weniger als seine Konkurrentin.

Der litauische Regierungschef Saulius Skvernelis war hingegen mit dem Versuch gescheitert, sein derzeitiges Amt gegen das des Staatschefs einzutauschen. Mit weniger als 20 Prozent der Stimmen kam er lediglich auf Rang drei – und zog Konsequenzen aus der Schlappe. Noch in der Wahlnacht kündigte Skvernelis seinen Rücktritt für Juli an.

Litauen Parlamentswahlen (picture-alliance/AP Photo/M. Kulbis)

Knapp 2,5 Millionen Litauer sind wahlberechtigt

Die amtierende Präsidentin Dalia Grybauskaite durfte verfassungsgemäß nach zwei fünfjährigen Amtszeiten nicht erneut zur Wiederwahl antreten. “Wir alle in Litauen haben das Glück, dass die zweite Runde ein Wettbewerb zwischen den Kandidaten sein wird, die es verdienen, in der zweiten Runde zu sein”, sagte Grybauskaite nach ihrer vorzeitigen Stimmabgabe in Vilnius. Die Wähler erwarteten vom Staatsoberhaupt, für “Stabilität, Frieden und Wohlstand” zu sorgen.

Wichtige Funktion

In Litauen hat der Präsident oder die Präsidentin vorwiegend repräsentative Aufgaben, im Vergleich zum deutschen Bundespräsidenten aber weitergehende Kompetenzen in der Außen- und Verteidigungspolitik. So vertrat Grybauskaite ihr Land regelmäßig bei EU-Gipfeln. Im Zuge des verstärkten Schutzes der NATO-Ostflanke führt die Bundeswehr in dem Baltenstaat, der an die russische Exklave Kaliningrad grenzt, ein multinationales Bataillon an. 

wa/haz (dpa, afp)

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Europawahl: Sieben von 28

In 21 EU-Ländern sind die Wähler aufgerufen, am Sonntag über das Europäische Parlament abzustimmen. Im Wahlkampf war immer wieder die Rede von einer Schicksalswahl, weil rechte EU-Kritiker in einer neuen Allianz das weitere Zusammenwachsen der Gemeinschaft stoppen wollen. In Deutschland haben die großen Parteien und die Kirchen vor Rechtspopulisten und Nationalisten gewarnt. “Nationalistische Angstmacher” hätten keine Antworten, mahnten Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, und Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der (katholischen) Deutschen Bischofskonferenz. Dennoch könnten genau diese Nationalisten bei der Europawahl triumphieren.

Ein solcher Wahlausgang würde nicht nur die Europäische Union, sondern auch die große Koalition in Berlin erschüttern. Europaweit dürften Christ- und Sozialdemokraten gegenüber der Wahl 2014 deutlich verlieren und erstmals keine Mehrheit mehr unter den 751 Abgeordneten des EU-Parlaments haben. Zugewinne werden Liberalen und vor allem den Grünen vorhergesagt – die Klimapolitik hat die Migration als wichtigstes Wahlkampfthema abgelöst.

Kassel Kirchenwoche Woche für das Leben Reinhard Marx und Heinrich Bedford-Strohm (Imago/A. Fischer)

Gemeinsam für Europa: Reinhard Marx und Heinrich Bedford-Strohm

Es geht auch um Merkel

Die deutschen Unionsparteien CDU und CSU, aus deren Reihen die Bundeskanzlerin kommt, waren noch nie unter die Marke von 30 Prozentpunkten gerutscht. Nun müssen sie ein Ergebnis um 28 Prozent befürchten. So ein Wahlausgang würde auch Angela Merkel – und ihre große Koalition – erheblich unter Druck setzen.

Und die Sozialdemokraten? Der Niederländer Frans Timmermans, der mit seiner sozialdemokratischen Partei laut Prognosen überraschend stärkste Kraft in seiner Heimat wurde, sieht darin ein “Signal” für Europa. In den Niederlanden und Großbritannien hatte die viertägige Europawahl am Donnerstag begonnen.

Die deutsche SPD liegt in Umfragen allerdings bei nur etwa 17 Prozent. Ein Desaster für die älteste noch bestehende Partei Deutschlands. Verliert sie auch bei der parallel stattfindenden Landtagswahl in Bremen gegen die CDU, könnte die große Koalition im Bund noch instabiler werden.

Frankreich rückt nach rechts

Ganz anders fallen die Prognosen für die nationalistischen EU-Kritiker in einigen großen Ländern aus. In Italien liegt die rechte Lega in Umfragen bei über 30 Prozent und damit vor allen anderen Parteien. Auch in Frankreich könnte die Partei der Nationalistin Marine Le Pen wie schon bei der Europawahl 2014 stärkste Kraft werden – noch vor der Partei des Präsidenten und Europafreunds Emmanuel Macron. In Deutschland erreicht die rechte AfD in Umfragen mit rund zwölf Prozent in etwa den Wert der Bundestagswahl 2017.

Neben den Briten und den Niederländern haben bereits die Wähler in Irland, Tschechien, Lettland, Malta und der Slowakei abgestimmt. Auch in den französischen Überseegebieten wird seit Samstag gewählt.

Aus Großbritannien wird es erst Sonntagnacht erste Ergebnisse geben. Aller Wahrscheinlichkeit nach liegt die erst in diesem Jahr gegründete Brexit-Partei von EU-Gegner Nigel Farage vorn. Dagegen gibt es Prognosen aus Irland, wonach die pro-europäische Regierungspartei Fine Gael die meisten Stimmen holte. Die Slowakei dürfte mindestens einen rechtsextremen Abgeordneten ins Europaparlament gewählt haben.

Irland Europawahl (Getty Images/AFP/P. Faith)

Der irische Premierminister Leo Varadkar bei der Stimmabgabe

Geringes Interesse in Tschechien

In Tschechien hatten die Wähler zwei Tage lang Zeit. Dennoch dürfte nur jeder Vierte bis Fünfte der rund 8,5 Millionen Wahlberechtigten seine Stimme abgegeben haben. Das Ergebnis wird erst am Sonntagabend bekannt. Prognosen gibt es nicht.

In den letzten Umfragen lag die populistische ANO des Ministerpräsidenten Andrej Babis mit rund 28 Prozent vorn. Erst am Dienstag waren Zehntausende in Prag gegen Babis auf die Straße gegangen, weil dem schwerreichen Geschäftsmann Betrug bei EU-Subventionen vorgeworfen wird.

Hass und Social Bots

Begleitet wird die Wahl von Falschinformationen und Manipulationsversuchen. Die EU richtete daher ein Frühwarnsystem ein. Das Londoner Institut für Strategischen Dialog warnte vor europaweiten Online-Kampagnen, die von rechtspopulistischen Gruppen und “Cybermilizen” gesteuert würden. Dabei geht es um den massenhaften Einsatz von Social Bots, also computergesteuerten Accounts, durch die Brexit-Partei in Großbritannien und die Facebook-Aktivitäten der AfD. Zudem sei die Diskussion über die EU-Wahl im Netz in besonderem Maß von “Hasssprache” geprägt.

Insgesamt sind in den 28 Mitgliedstaaten 427 Millionen Bürger aufgerufen, die 751 Abgeordneten des Europaparlaments zu bestimmen. Offizielle Wahlergebnisse dürfen erst nach Ende der viertägigen Europawahl in allen Mitgliedstaaten am Sonntagabend veröffentlicht werden.

rb/djo (afp, dpa, rtr, DW)

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Ermittler in Lyon kommen nur schrittweise voran

Nach der Explosion mit 13 Verletzten in der französischen Stadt Lyon ist das Motiv noch immer unklar. Staatsanwalt Rémy Heitz erklärte, niemand habe den Anschlag für sich reklamiert. Aber allein die Tatsache, dass jemand mitten am Tag in einer belebten Straße eine solche Tat verübe, reiche für Anti-Terror-Ermittlungen aus. Die Staatsanwaltschaft ermittle nun unter anderem wegen versuchten Mordes im Zusammenhang mit einem terroristischen Hintergrund.

Zuvor hatte die Polizei bereits ein Bild von einem Mann veröffentlicht, der eine dunkle Sonnenbrille trägt und ein Fahrrad schiebt. Vor einer Bäckerei hatte der mutmaßliche Täter eine Papiertüte abgestellt, nur eine Minute später explodiert ein Sprengsatz darin. Wer der Mann ist oder sein könnte, dazu machte Heitz keine weiteren Angaben. Allerdings konnte mithilfe von Sicherheitskameras ein Teil seines Weges nachverfolgt werden. Heitz erklärte, es werde nun alles in Bewegung gesetzt, um den Mann schnell festzunehmen.

Frankreich Lyon PK Victor Hugo (picture-alliance/dpa/J. Philippon)

Staatsanwalt Rémy Heitz (r.) präsentierte die neuesten Erkenntnisse zur Explosion in Lyon

Helfen könnte dabei eine DNA-Spur, die auf dem detonierten Beutel gefunden wurde. Aus Ermittlerkreisen hieß es allerdings, es sei noch unklar, ob diese von dem Hauptverdächtigen stamme. Vermutet wird, dass der Täter kleine Mengen des Sprengstoffs TATP verwendet hatte. Die hochexplosive Substanz wird häufig von militanten Islamisten eingesetzt, etwa bei den Pariser Anschlägen im November 2015.

Am Samstagvormittag waren nach Angaben des Bürgermeisters von Lyon, Gérard Collomb, noch drei der 13 Verletzten zur Behandlung in einem Krankenhaus. Zwei von ihnen hätten leichte Verletzungen, einer etwas schwerere erlitten. Die Betroffenen hätten bei der Explosion außerdem einen Schock erlitten, sie könnten das Krankenhaus aber bald verlassen. Angesichts der geringen Zahl an Verletzten, zeigte sich der Bürgermeister erleichtert: “Es hätte schlimmer kommen können.”

djo/rb (afp, dpa)

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Mercedes vor dem sechsten Doppelsieg

Formel-1-Fahrer und WM-Spitzenreiter Lewis Hamilton startet am Sonntag im Großen Preis von Monaco (15.10 Uhr) auf der Pole Position. Der Brite fuhr am Samstag beim Qualifying Streckenrekord und sicherte sich den ersten Startplatz vor seinem Teamkollegen Valtteri Bottas. Sollte den Mercedes-Piloten erneut ein Doppelsieg gelingen, wären dies der sechste Erfolg des Stuttgarter Duos im sechsten Rennen. 

 Auf den dritten Platz landet der Holländer Max Verstappen mit seinem Red Bull. Für Ferrari-Pilot Sebastian Vettel reichte es nur zum vierten Platz. Der Deutsche fuhr fast acht Zehntelsekunden langsamer als Hamilton – und konnte keinem der vor ihm platzierten Boliden gefährlich werden. Für den weiteren deutschen Piloten, Nico Hülkenberg mit seinem Renault, reichte es nur für Platz elf.

Wunder-Runde von Hamilton

Es ist die 85. Pole Position in Hamiltons Formel 1-Karriere und die zweite in der laufenden Saison. Erst in der letzten Runde hatte der Brite den ersten Platz erkämpft. Durch seine Wunder-Runde ganz am Ende distanzierte er seinen Teamkollegen Bottas um 0,086 Sekunden. 

Damit verschaffte sich der 34 Jahre alte Hamilton eine perfekte Ausgangsposition für das Rennen am Sonntag. Denn überholen ist in den Straßen des Fürstentums extrem schwierig. Zum Beweis: In den vergangenen 33 Jahren hat 26 Mal ein Fahrer aus der ersten Startreihe gewonnen. Seit 2009 ist die Pole Position siebenmal das Fundament für den Sieg.

Sollte es zu einem erneuten Erfolg von Hamilton und Bottas kommen, wäre es das erste Mal in der 70-jährigen Formel-1-Geschichte, dass ein Team in sechs Rennen sechs Doppelsiege holen kann.

kfb/jst (Red/sid)

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